Feiertag auf der Geriatrie

5:55 Uhr, ich sitze bereits fertig umgezogen im Stationszimmer. Soweit so gut. Ich hatte ja keine Ahnung.

6:30 Uhr, Übergabe war bereits beendet und ich wurde aus dem Stationszimmer gebeten weil es etwas stationsinternes zu erzählen gab. Mir auch egal.

Wir waren in diesem Frühdienst 2 Exam., eine Praktikantin und ich.

Während eine examinierte Kraft durch die Zimmer ging um Vitalzeichen zu messen und Verordnungen abzuarbeiten, waren die andere Pflegerin, ich nenne sie mal Maria, und ich schon auf dem Weg die ersten Patienten zu waschen. Wir beschlossen das wir erst die waschen die gut zu händeln sind und dann zu zweit zu denen gehen die etwas mehr Hilfe brauchen. Ich fing im ersten Zimmer an, die Patientin war furchtbar müde und so waren wir ganz schnell fertig weil sie sich kaum auf den Beinen halten konnte. Die Bettnachbarin bat mich freundlich in einer halben Stunde wieder zu kommen. Alles klar.

Ich habe zum ersten Mal mit Maria gearbeitet und habe sie als sehr symphatisch aber etwas unsicher wirkend kennen gelernt. Sie ist geriatrische Fachkraft. Ich wusste ja nicht was das noch werden wird…Spoiler: Ich fühle mich heute Abend wie 95 Jahre.

Ich ging aus dem Zimmer und lief Maria direkt in die Arme, sie fragte mich ob ich ihr bei einem Patienten helfen könnte. Er war eigentlich bereits vom Nachtdienst gewaschen aber hatte sich komplett eingestuhlt. Tja, zu früh gefreut. Der Mensch, das Bettzeug, das Bett…alles versaut. Ich habe 5 min lang seine eigenen Exkremente unter den Fingernägeln rausgepult. Und 10 min am Katheter desinfiziert weil einfach alles so voll war. Katheterbeutel zu wechseln wäre zu einfach gewesen. Hier merkte man schon die Unsicherheit von Maria, sie fragte mich dauernd wie wir jetzt weiter machen sollen, etc. (Das ist kein Test, so ist sie auch bei den anderen Kollegen) Gut, bei ihm waren wir fertig. Raus an den Tisch zum Essen nd fertig. Auf zur nächsten Patientin, man musste sie wiegen und Maria wollte sie auf Biegen und Brechen in den Stuhl mobilisieren. Die Frau hat eine verkrümmte Wirbelsäule und wirklich starke Schmerzen. Ich fand die Idee mit dem Mobilisieren echt gut, da sie echt schon lange im Bett lag. Aber sie hatte heute scheinbar echt einen schlechten Tag. Selbst das BTM wollte heute nicht wirken. Maria sprach die ganze Zeit davon das sie aufstehen muss, etc. Und wollte sie einfach an den Armen hochziehen. Die Frau schrie auf vor Schmerzen. Ich versuchte ihr zu erklaren warum sie aufstehen muss. Sehr sehr widerwillig ließ sie sich so immerhin an die Bettkante ziehen. Ich schwöre euch ich hätte sie lieber ohne Maria mobilisiert. Ich versuchte sie irgendwie mit meinen bescheidenen Kinästhetik Kenntnissen zu mobiliseren, was auch echt gut funktinierte, für mich und die Patientin. Aber Maria fummelte dauernd irgendwo anders rum und auch auf meine Bitte hin sie alleine mobilisieren zu dürfen, stand sie nur im Weg. Tut mir leid, aber es war so. Die Patientin konnte sich nicht halten. Als ich sie soweit hatte das sie mich umarmte damit ich sie hochheben kann (Kinästhetik und so) und ich auch mit ihr dort stand, fummelte Maria weiter an ihren Armen rum. Ich war echt genervt und die Patientin auch. Nach dem Wiegen wollte sie gerne wieder ins Bett, sie war komplett verkrampft und hatte bereits nasse Augen. Maria pochte darauf das sie im Stuhl frühstückte. In diesen Stuhl durfte ich sie endlich alleine mobilisieren was gut funktionierte. Nach dem Frühstück wollten wir sie wieder hinlegen, und trotz Hinweis an Maria das ich sie alleine rüber hebe weil es angenehmer ist, griff sie trotzdem ein, brachte uns ins Wanken und beschehrte mir Rückenschmerzen des Todes. Danke, für nichts.

So ging das übrigens weiter, sie ließ mich die Patienten die wir mobilisierten fast alleine rausholen weil sie einfach nicht zupackte. Und ich bin jetzt wirklich kein Mr. Hulk der stundenlang schwere Patienten halten und mobilisieren kann. Dementsprechend war meine Laune dann.

Immerhin durfte ich nachher den Verband bei meiner „Lieblingspatientin“ machen. Was heißt machen…es fand sich keine klare Rollenteilung wie ich es sonst kenne bei Anleitungen. Den Pütter Verband durfte ich erst wickeln als ich 2 Mal betonte das es ein Lernziel ist und es wichtig wäre.

Apropos Lieblingspatientin…wiegt 120kg, hat massivste Asszites („Wasserbauch“), Ödeme („Wasser in den Beinen“) des Todes an den Beine und ist einfach nur unfreundlich und bequem. Vor ein paar Tagen viel die Gute in meinem Beisein weil sie nicht gehört hat und einfach aufgestanden ist, zum Stuhl wollte und dann eingesackt ist. Alarm geklingelt. Wir waren 3 Frauen im Spätdienst..nichts was jetzt 120kg bewegen könnte. Unser 70 jähriger Chefarzt stand auch nur dumm daneben und gab Kommentare ab. Super. Zum Glück lief grad der kräftigste Physiotherapeut am Zimmer vorbei den wir haben. Wir haben sie zu 4. hoch gehoben. Der Physio unter den Armen gegriffen, und zu 3. die Beine. Die Frau machte nicht einen Mucks an Anstalten auch nur irgendwie mitzuhelfen. Auch nicht nach einer Ansage. Uns platzte allen fast der Kragen. Und dann beschwert sie sich noch allen Ernstes das ihre Arme jetzt weh tun würden!? Wer fragt denn nach uns!? Heute das gleiche Spiel nochmal. Die Praktikantin war bei ihr und wir hatten vereinbart das sie 5 min wartet bis sie aufsteht damit sie Kräfte sammeln kann. Als ich grade wieder ins Zimmer wollte um zu helfen, sah ich schon das es schon wieder zu spät war. Da saß die Gute vor ihrem Bett auf dem Boden, 3 Pflegekräfte und die Praktikantin um sie rum…keine Anstalten von Hilfe. Zwischendurch wurde das ganze Krankenhaus nach männlichen Pflegern abtelefoniert die helfen könnten. Es haben sich 2 finden lassen und am Schluss mussten wir sie einfach mit 8!!! Leuten hochheben…ich hatte echt die Schnauze voll. Kaum oben auf der Bettkante, stellte sie schon wieder Anprüche, was prompt von der Stationsleitung unterbunden worden ist…soweit kommts noch. Sie klingelte danach im Minutentakt. Es hat nicht viel gefehlt und ich wäre eskaliert. Nachts hat sie wegen dem Gewitter randaliert und die ganze Station geweckt…

Generell war heute Morgen der eine steifer als der andere und alle hatten irgendwas. Wir wurden gerade so mit unserer Arbeit fertig.

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2 Gedanken zu “Feiertag auf der Geriatrie

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