Ach Demenz du …

13:30 Uhr, Dienstbeginn.

Ich: „Kann man euch was helfen?“

Schwester: „Klar, guck mal auf Zimmer 4 da müssen wir schnell frei machen. Die Neuaufnahme ist schon da.“

Und tatsächlich, als ich das Schwesternzimmer verlasse steht die Neuaufnahme inkl Schwester schon im Flur.

Ich beginne also das Zimmer aufzuräumen und zu putzen, die Zimmernachbarin geht heute noch nach Hause, gut so wie sich später rausstellt.

Die Schwester kommt mit der Patientin ins Zimmer: 94 Jahre, dement, Dyspnoe und Ödeme an den Beinen.

Ich stelle mich vor und beginne dann ihre Sachen in den Schrank einzuräumen. Dies wird jedoch unterbrochen: Die Dame versteht die Welt nicht mehr. Wo sie denn wäre, wie sie hier hin gekommen ist, wo ihre Tasche hingekommen sei, das das ja nicht ihr Zimmer wäre, wer denn die komische Frau da im Zimmer sei, das sie auf Toilette müsse, die Sachen die ich da einräume seien gar nicht ihre, der Rollator sei auch nicht da und der blöde Sanitäter hatte bestimmt ihre Tasche geklaut.

Ich erklärte ihr alles, gerne auch öfter. Laut Altenheim würde sie zu Fuß zur Toilette mit Rollator etc. Wie sie das gemacht haben soll, verstand niemand von uns. Es dauerte Ewigkeiten bis ich ihr die Sache mit dem Toilettenstuhl erklärt hatte, aber egal. Letzten Endes sind wir so auf die Toilette gekommen. Eine frische Hose musste her. Auch wieder so eine Sache für sich. Sie hatte nichts eigenes mehr dabei, also musste was von uns her. Zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn. Auch hier wurden wieder viele Erklärungen nötig, z.B. warum wir nicht die selben Hosen hier hätten wie sie Zuhause, usw. Auch dieses Problem bekamen wir letztlich gelöst. Zurück im Zimmer konnte ich sie nach einem langen hin und her dazu überreden sich mal ein bisschen auszuruhen.

Verdammt die Übergabe! Na toll, die Kollegen hatten nicht mal gewartet. Das nervte mich ehrlich gesagt schon sehr.

Den ersten Rundgang machte ich mit der Schwester gegen 15:00 Uhr. Hier lief ich ganz mit und es klappte gut. Die Patienten waren gut drauf heute. Das freute mich natürlich. Angekommen in Zimmer 4 ging der Spaß wieder los. Ich war gerade alleine dort weil die Schwester was zu klären hatte. Statt wie sonst 5 min pro Zimmer ungefähr, benötigte ich hier 20 min. Sie hatte wieder so vieles was sie nicht verstand und der Sanitäter, ach der Sanitäter hatte ja ihre Tasche geklaut. Mittlerweile hatte sich die Stationssekretärin beim Altenheim erkundigt und die Tasche lag auch noch dort. Sie hat das Altenheim nie verlassen. Natürlich glaubte die Patientin das zuerst nicht, aber nachdem ich es ihr abends nochmal erklärt hatte, und das die Betreuerin die Tasche besorgt, war sie dann zufrieden. Ich zog dann weiter.

1,5 Stunden später klingelte sie, wohl aus Versehen wie sich später rausstellte. Inzwischen war es 19:00 Uhr. Und diesmal kam ich nicht mehr aus dem Zimmer raus. Ich blieb fast eine Stunde bei ihr. Um zu erklären, 374239 Mal auf Toilette zu gehen, umziehen, ganz ganz viel erklären, etc. Als ich dann aus dem Zimmer raus kam, entschuldigte ich mich bei der Schwester, denn die war zwischenzeitlich alleine rund gegangen. Ihre Reaktion war eine andere als ich erwartete. Sie bedankte sich bei mir das ich mir die Zeit für die Frau genommen hätte und sagte das das alles kein Problem sei.

Zwischenzeitlich fühlte ich mich einfach nur noch matschig im Kopf. Demenz strengt an.

Später ging ich nochmal mit der Schwester ins Zimmer. Blutdruck, Puls, Temperatur messen. Die Frau dazu bewegen sich doch nun mal ins Bett zu legen auch wegen den Ödemen. Mal Strümpfe aus. Die Strümpfe waren aus und die Frau erzählte nun ständig das der Arzt doch gesagt hatte das sie Strümpfe tragen soll und dies das Ananas. Am Ende wurde es uns einfach zu bunt und die Frau bekam die Strümpfe wieder an. Zimmer erledigt.

Um 21:05 Uhr kam ich mal zu meiner 2. Pause (Jugendschutz und so).

Zurück von dieser war der Nachtdienst schon da. Der Pfleger sah mich an und lachte, denn anscheinend sah ich genauso matschig aus wie ich mich fühlte. Die Schwester erklärte ihm dann das ich die ganze Zeit bei der Neuaufnahme gewesen bin. Und im selben Atemzug schickte die Schwester mich nach Hause. So Kollegen braucht  man. <3

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Ein Gedanke zu “Ach Demenz du …

  1. Einmal möchte ich meine Bewunderung aussprechen. Was Pfleger und Schwestern alles leisten, sei es mit Patienten ohne beim Umlagern ohne Umlagerungshilfen. Das ist einfach Wahnsinn. Weiter so!

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