Drei Fliegen mit einer Klappe…

Heute war ein verdammt komischer Tag…

Noch vor Dienstbeginn, noch bevor ich überhaupt umgezogen war, erfuhr ich vom Nachtspringer das eine unserer Patientinnen diese Nacht gestorben war. Die Nachtschwester der Station setzte sie auf den Toilettenstuhl. Sie saß wohl nicht mal richtig und schon wurde sie reanimationspflichtig. In kürzester Zeit waren alle verfügbaren Leute da um der Dame zu helfen…Schwestern, Ärzte, etc. Sie schafften es sie zu reanimieren, auf der Intensivstation begann leider alles von neuem und der Doktor brach irgendwann ab. Am Tag zuvor war sie noch putzmunter. Sie wurde nur 69 Jahre alt. Man vermutet das es ein Herzinfarkt war. (auf Station erzählte mir natürlich niemand freiwillig das die Dame tot war, wüsste halt schon gerne wenn einer „meiner“ Patienten stirbt)

Auf Station angekommen war alles wie immer und doch komisch. Ich kann es nicht beschreiben, die Atmosphäre auf Station…sowas hatte ich noch nicht erlebt. Es war nicht nur meine Empfindung, den anderen ging es genauso. Nach dem Frühstück verteilen ging unsere Azubine nach Hause da ihr nicht gut war. Happy Birthday, nichts dagegen das du krank bist…aber ne ganze Station „alleine“ zu schmeißen ist etwas viel. Abwaschen, Essen verteilen, alles in Ordnung halten…das macht man nicht mal eben in 5 min. Und so kam der große Stress und so schnell sollte dieser nicht wieder gehen. Ich hatte die Station schonmal alleine gemacht, aber wie gesagt dieser Tag war anders. Tu dies, tu jenes, „Kannst du mir dabei helfen?“…Standardsätze. Ständig klingelte es, immer war etwas. Zum Mittagessen ging ich wieder zu meiner „Freundin“ auf Zimmer 112 anreichen. Eine geschlagene Stunde aß ich mit ihr  zu Mittag. Aber sie aß und aß und wollte gar nicht mehr aufhören was mich natürlich sehr freute. Gleich darauf folgte das Donnerwetter der Schwester wie ich so lange mit ihr Essen könnte…-.-“

Selbst bis zu meinem Feierabend wurde ich nicht fertig und ich konnte auch nicht mehr. Wir waren alle komplett geschafft von dem Morgen. Allerdings muss ich 2 Stunden länger als die Schwestern arbeiten und so wunderte sich die Mittagschicht doch tatsächlich warum ich leicht gereizt war.

Mittags musste ich doch tatsächlich noch mit einer Frau über Sprudel diskutieren…holla die Waldfee. Sie trinkt nur den weißen (gemeint ist die Farbe der Flasche), nicht den grünen und kein stilles Wasser. Mimimimi.

Plötzlich stand der Mann der in der Nacht verstorbenen Patientin vor mir und reichte mir 10€. Er war kurz vorm weinen, man sah es deutlich. Ich konnte nichts sagen außer danke. Ich ahnte ja gar nicht das es mir so schwer fallen würde mein Beileid bzw mein Mitgefühl auszudrücken. Er fragte ob ich wüsste von wem es ist. ich antwortet das ich natürlich wisse von wem es kommt. Es dauerte nicht mehr lang bis er anfing zu weinen also ging er schnell. Er tat mir richtig Leid.

Nachdem ich alle Putzarbeiten erledigt hatte fiel mir auf das etwas anders war. Keine Schwestern mehr zu sehen, keine Azubine, viele Ärzte strömten auf Station. „Da stimmt was nicht“, murmelte ich für mich selbst. Als eine der Schwestern wieder kam fragte ich sie ob ich was verpasst hätte. Sie nur: „Nein??“…ich ahnte ja nicht…also die Azubine gefragt. Ich erfuhr das noch jemand gestorben ist. Beim lagern stellen wir manchmal das Bett schief, also Kopf nach unten (130kg Patientin, die packste sonst nicht) und bei diesem Manöver lief die Dame plötzlich blau an und war tot. Es hätte sowieso nicht mehr lang gedauert bis sie stirbt aber auch damit das es jetzt doch so schnell ging hatte keiner gerechnet. Ich freue mich für sie. Klingt blöd aber ist so. In einem klaren Moment ihrerseits erzählte sie das sie die Schmerzen nicht mehr aushält (nein ich rede nicht von der anderen Frau über die ich bereits schrieb) und nicht mehr will. Also ist es doch eigentlich gut für sie.

Naja soviel zu: „Nein du hast nichts verpasst.“

Und eine dritte Person verließ uns. Mir ist nichts darüber bekannt. Nur das auf dieser Station scheinbar ausschließlich im Dreierpack gestorben wird.

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